Wann gehört der Fassadenplaner ins Projekt?
Wann sollte ein Fassadenplaner beigezogen werden? Erfahren Sie, weshalb die frühe Fassadenplanung Kosten, Konstruktion und Ausführungsqualität beeinflusst.
Warum eine frühzeitige, unabhängige Fassadenplanung Kosten, Termine und Ausführungsqualität entscheidend beeinflussen kann.
Die Fassade prägt nicht nur das Erscheinungsbild eines Gebäudes. Sie übernimmt wesentliche Funktionen hinsichtlich Wärmeschutz, Witterungsschutz, Schallschutz, Brandschutz und Dauerhaftigkeit. Gleichzeitig gehört sie zu den technisch anspruchsvollen und kostenrelevanten Bauteilen eines Bauprojekts.
Dennoch werden Fassadenfachplaner häufig erst beigezogen, wenn Architektur, Materialisierung und wesentliche konstruktive Entscheidungen bereits weitgehend festgelegt sind.
Der optimale Zeitpunkt für den Beizug eines Fassadenplaners liegt deutlich früher – idealerweise bereits in der Vorstudien- oder Vorprojektphase.
SIA-Phasen 1 und 2: Strategische Planung und Vorstudien
Dazu gehören insbesondere:
- Architektonisches Erscheinungsbild und Materialisierung
- Anforderungen an Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz
- Grundsätzliche Fassadensysteme und Konstruktionsprinzipien
- Tragstruktur, Befestigungsmöglichkeiten und Bautoleranzen
- Wirtschaftlichkeit und voraussichtliche Investitionskosten
- Anforderungen an Unterhalt und Dauerhaftigkeit
Eine frühzeitige fachtechnische Einschätzung ermöglicht es, unterschiedliche Konstruktionsvarianten zu vergleichen, bevor diese planerisch festgelegt werden.
Gerade bei anspruchsvollen Gebäudehüllen können dadurch technische Konflikte und wirtschaftlich ungünstige Lösungen frühzeitig erkannt werden.
SIA-Phase 31: Vorprojekt – die entscheidenden Weichen stellen
Im Vorprojekt werden Architektur, Gebäudetechnik, Tragwerk und Gebäudehülle zunehmend konkretisiert.
In dieser Phase sollte die Fassadenplanung insbesondere folgende Fragen beantworten:
Welche Fassadenkonstruktion erfüllt die Anforderungen am besten?
Eine hinterlüftete Metallfassade, eine Pfosten-Riegel-Konstruktion oder eine andere Fassadenlösung unterscheiden sich nicht nur gestalterisch, sondern auch hinsichtlich Aufbau, Befestigung, Unterhalt und Kosten.
Sind die vorgesehenen Konstruktionen technisch umsetzbar?
Anschlüsse an Fenster, Dächer, Sockel und angrenzende Bauteile müssen grundsätzlich lösbar sein. Auch Bewegungen, Bautoleranzen und die Lastabtragung sind frühzeitig zu berücksichtigen.
Ist die gewählte Lösung wirtschaftlich?
Nicht immer ist die vermeintlich günstigste Materialwahl auch die wirtschaftlichste Gesamtlösung. Unterkonstruktion, Montageaufwand, Detailausbildung und spätere Unterhaltskosten beeinflussen die Gesamtwirtschaftlichkeit wesentlich.
Eine unabhängige, systemneutrale Fassadenplanung ermöglicht es, diese Aspekte ohne Bindung an einen bestimmten Hersteller oder ein einzelnes Fassadensystem zu beurteilen.
SIA-Phase 32: Bauprojekt – Konstruktionen und Schnittstellen klären
Im Bauprojekt werden die Fassadenkonstruktionen vertieft entwickelt und mit den übrigen Fachplanern koordiniert.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Gewerken.
Typische Fragestellungen sind:
- Wie werden Fassadenelemente an der Tragstruktur befestigt?
- Wie sind Fensteranschlüsse hinsichtlich Dichtheit und Wärmebrücken auszubilden?
- Welche Anforderungen gelten für die Anschlüsse an Dach und Sockel?
- Wie werden Beschattungssysteme konstruktiv integriert?
- Welche Bewegungen und Bautoleranzen müssen aufgenommen werden?
- Wie werden brandschutztechnische Anforderungen konstruktiv umgesetzt?
Unzureichend geklärte Schnittstellen führen häufig erst während der Ausführungsplanung oder Montage zu Problemen.
Dann sind Änderungen in der Regel aufwendiger als während der Projektierung.
Praxisbeispiel: Wenn die Unterkonstruktion zu spät berücksichtigt wird
Bei einer hinterlüfteten Fassade wird die äussere Bekleidung häufig frühzeitig gestalterisch festgelegt.
Erst während der vertieften Planung zeigt sich möglicherweise, dass die vorgesehene Tragstruktur keine wirtschaftliche Befestigung der Unterkonstruktion ermöglicht oder die erforderlichen Aufbauhöhen nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Die Folgen können zusätzliche Stahlbauteile, geänderte Befestigungskonzepte, Anpassungen an Anschlüssen oder zusätzliche Koordinationsleistungen sein.
Wird die Fassadenplanung frühzeitig einbezogen, können Tragstruktur, Fassadenaufbau und Befestigungskonzept bereits während der Projektentwicklung aufeinander abgestimmt werden.
Das Beispiel zeigt: Gute Fassadenplanung beginnt nicht bei der Auswahl der Bekleidung, sondern beim Verständnis der gesamten Konstruktion.
SIA-Phase 41: Ausschreibung – vergleichbare Angebote ermöglichen
Eine technisch durchdachte Fassadenplanung bildet die Grundlage für eine aussagekräftige Ausschreibung.
Dazu gehören klar definierte Anforderungen, nachvollziehbare Mengen und vollständige Leistungsbeschriebe.
Unklare Ausschreibungsunterlagen führen dazu, dass Unternehmer unterschiedliche Annahmen treffen. Dadurch werden Angebote schwieriger vergleichbar und es entstehen Risiken für Nachträge.
Ein präzises Leistungsverzeichnis unterstützt einen fairen Wettbewerb und schafft eine bessere Grundlage für die Vergabe.
Bei geeigneten Projekten kann eine systemneutrale Ausschreibung zudem verschiedene technisch gleichwertige Lösungen ermöglichen, sofern die funktionalen und konstruktiven Anforderungen eindeutig beschrieben sind.
SIA-Phasen 51 und 52: Ausführungsplanung und Realisierung
Auch nach der Vergabe bleibt die Fassadenfachplanung ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung.
Je nach vereinbartem Leistungsumfang gehören dazu:
- Fachtechnische Prüfung von Werk- und Montageplanungen
- Beurteilung von Mustern und Mock-ups
- Kontrolle wesentlicher konstruktiver Anschlüsse
- Fachtechnische Begleitung der Ausführung
- Mitwirkung bei Qualitätskontrollen und Abnahmen
Besonders bei komplexen Fassadenkonstruktionen ist es wichtig, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und fachlich zu beurteilen.
Die Verantwortung für die vertragsgemässe Ausführung verbleibt dabei beim ausführenden Unternehmen. Die fachplanerischen Prüfleistungen richten sich nach dem vereinbarten Auftrag.
Weshalb eine unabhängige Fassadenplanung sinnvoll ist
Fassadensysteme und Materialien werden häufig durch Hersteller oder ausführende Unternehmen technisch unterstützt. Dieses Fachwissen ist wertvoll und für die Umsetzung wichtig.
Eine unabhängige Fassadenplanung verfolgt jedoch eine andere Aufgabe: Sie beurteilt die Gebäudehülle aus Sicht der Bauherrschaft und des Gesamtprojekts.
Im Mittelpunkt stehen die technischen Anforderungen, die Wirtschaftlichkeit, die architektonische Qualität und die Ausführungssicherheit.
Dadurch können unterschiedliche Systeme und Konstruktionsmöglichkeiten objektiv miteinander verglichen und projektspezifisch weiterentwickelt werden.
Fazit: Frühzeitige Fassadenplanung schafft Handlungsspielraum
Der ideale Zeitpunkt für den Beizug eines Fassadenfachplaners liegt in der frühen Projektentwicklung, spätestens jedoch im Vorprojekt, wenn wesentliche Entscheidungen zur Gebäudehülle anstehen.
Je früher konstruktive Anforderungen, Schnittstellen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, desto grösser ist der Handlungsspielraum für technisch überzeugende und wirtschaftliche Lösungen.
Ein späterer Einstieg ist ebenfalls möglich. Allerdings sind die Optimierungsmöglichkeiten dann häufig eingeschränkt.
Die Fassaden Werkstatt GmbH unterstützt Architekten, Bauherrschaften und Generalunternehmer mit unabhängiger, systemneutraler Fassadenplanung – von der frühen Projektentwicklung über die Ausschreibung bis zur Qualitätssicherung während der Ausführung.
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